Wiens Frauengeschichten – Erinnerungen an einen besonderen Stadtspaziergang

Wer durch Wien spaziert, lässt sich leicht von prächtigen Fassaden, stimmungsvollen Plätzen und den Spuren der Kaiserzeit faszinieren. Eine Stadtführung kann aber auch den Blick auf jene Menschen lenken, die hinter diesen Kulissen gelebt haben. Bei einem früheren Rundgang lernte ich die Geschichten von Frauen kennen, die Wien auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben.

Foto: Vízer Helga
Wiens Frauengeschichten
Geführt wurde der Rundgang von Lilla Bősz, einer staatlich geprüften Austria Guide. Hinter bekannten Namen wurden persönliche Lebenswege und Entscheidungen sichtbar: Herrschaft, Kunst, Unternehmertum, Liebe und Selbstbestimmung. Zur Sprache kamen unter anderem Maria Theresia, Anna Sacher, Lina Loos, Hedy Lamarr und Anna Lelkes.
Was ich an solchen Themenführungen besonders schätze: Danach sehe ich die Stadt mit anderen Augen. Ein Gebäude oder ein Straßenname ist plötzlich mehr als ein vertrauter Orientierungspunkt – er erinnert an einen Lebensweg.
Emilie Flöge: weit mehr als Klimts Muse
Viele kennen Emilie Flöge vor allem im Zusammenhang mit Gustav Klimt. Dabei war sie selbst eine bemerkenswerte Gestalterin und Unternehmerin. Gemeinsam mit ihren Schwestern Pauline und Helene eröffnete sie 1904 den Modesalon Schwestern Flöge auf der Mariahilfer Straße.
Emilie verantwortete die künstlerische und modische Ausrichtung. An der Gestaltung des Salons wirkten mit Josef Hoffmann und Kolo Moser prägende Persönlichkeiten der Wiener Werkstätte mit. Das Unternehmen der Schwestern Flöge wurde damit auch zu einem wichtigen Kapitel der Wiener Mode- und Designgeschichte.
Katharina Schratt und der Kaiser
Eine besonders spannende Geschichte des Rundgangs betraf die Schauspielerin Katharina Schratt. Die beliebte Künstlerin des Wiener Hoftheaters war über viele Jahre eine enge Vertraute von Kaiser Franz Joseph I. Auch Kaiserin Elisabeth unterstützte ihre Verbindung.
Neben dem höfischen Leben erzählt diese Geschichte von Nähe, Vertrauen und persönlichen Bindungen. Schratt hatte jedoch auch eine eigenständige Theaterkarriere. Es lohnt sich, sie nicht allein über ihre Beziehung zum Kaiser in Erinnerung zu behalten.
Ein Spaziergang, der neue Perspektiven eröffnet
Es war bereichernd, die Geschichte Wiens diesmal aus der Perspektive weiblicher Lebenswege zu betrachten. Über verschiedene Epochen und Berufe hinweg stellte sich immer wieder dieselbe Frage: Welche Möglichkeiten hatten Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen?
Wer ebenfalls gerne an Stadtführungen teilnimmt, nach denen vertraute Straßen plötzlich anders wirken, sollte sich das Angebot an Themenführungen ansehen. Aktuelle Termine und Führungsmöglichkeiten findet ihr auf der Website von Lilla Bősz.



